Netzentgelte: Die aktuelle Übersicht

Aktualisiert am:
08.04.2026
Lesezeit:
5 Minuten

Was sind Netzentgelte?

Netzentgelte sind Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes. Mit ihnen werden Betrieb, die Wartung und Ausbau des gesamten Stromnetzes in Deutschland finanziert.

Netzentgelte werden automatisch mit der Stromrechnung beglichen, der Stromanbieter leitet sie an den zuständigen Netzbetreiber weiter. Die Höhe der Netzentgelte wird von der Bundesnetzagentur geprüft und genehmigt, damit Netzbetreiber ihre Monopolstellung in einigen Regionen nicht ausnutzen.

Die Netzentgelte bestehen aus zwei Teilen:

  1. Grundpreis: Fester Jahresbetrag, unabhängig vom Verbrauch
  2. Arbeitspreis: Vebrauchsabhängig, pro Kilowattstunde

Was sind dynamische Netzentgelte?

Dynamische Netzentgelte richten sich nach den täglich schwankenden Netznutzungsgebühren. Diese fallen je nach Tageszeit unterschiedlich hoch aus: Morgends und abends ist es teurer, nachts und mittags ist es günstiger. Dynamische Netzentgelte ist also für Haushalte sinnvoll, die vor allem dann Strom verbrauchen können, wenn das Netz weniger ausgelastet ist und die Netzentgelte dementsprechend niedriger sind.

Gut zu wissen: Klassische Netzentgelte sind statisch: Jede Kilowattstunde kostet gleich viel, unabhängig von der Uhrzeit. Seit 2025 sind Netzbetreiber verpflichtet, zeitvariable Netzentgelte anzubieten. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Smart Meter, das den Verbrauch in Echtzeit erfasst und dem jeweiligen Zeitfenster zuordnet.

Welche Kosten beinhalten Netzentgelte?

Die Netzentgelte setzen sich aus Kosten für die verschiedenen Teile des Stromnetzes zusammen. Die Tabelle gibt den Überblick:

Woraus setzen sich die Netzentgelte zusammen?
Kostenblock Anteil Was damit finanziert wird
Lokales Verteilnetz (Niederspannung) 50 % Leitungen in Straßen, Ortsnetztrafos, Hausanschlüsse
Regionales Verteilnetz (Mittelspannung) 20 % Umspannwerke, regionale Leitungen
Übertragungsnetz 20 % Höchstspannungsleitungen, deutschlandweiter Transport
Messstellenbetrieb 5 % Stromzähler, Smart Meter, Ablesung
Abrechnung und Verwaltung 5 % Kundenservice, Rechnungsstellung, IT-Systeme
Gesamt 100 %

Welchen Anteil haben Netzentgelte an den Stromkosten?

Netzentgelte machen meistens rund 20-30 % der gesamten Stromkosten aus. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 32 Cent/kWh sind also bis zu 10 Cent für die Netznutzung.

Die Tabelle gibt den Überblick über die verschiedenen Kostenblöcke:

So setzt sich der Strompreis ungefähr zusammen
Kostenblock Anteil Was dahintersteckt
Strombeschaffung und Vertrieb ca. 40 % Einkauf an der Strombörse, Kundenservice, Marge des Anbieters
Netzentgelte ca. 20 % Nutzung der Stromleitungen vom Kraftwerk bis zur Steckdose
Steuern ca. 20 % Mehrwertsteuer (19 %), Stromsteuer
Umlagen und Abgaben ca. 10 % Konzessionsabgabe, Offshore-Umlage, §19-Umlage
Messstellenbetrieb ca. 5 % Betrieb des Stromzählers
Sonstige ca. 5 % Verwaltung, Abrechnungskosten
Gesamt 100 %

Wie hoch sind die Netzentgelte aktuell?

Die durchschnittlichen Netzentgelte in Deutschland liegen 2026 bei 10,4 Cent/kWh brutto. Das sind rund 20 % weniger als noch 2024. 

Beispiel: Ein Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch zahlt im Durchschnitt 416 € für die Netznutzung, statt 524 € wie vor zwei Jahren.

Dass die Netzentgelte sinken, liegt vor allem an staatlichen Förderungen. In 2026 fließen 6,5 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die Stabilisierung der Netzentgelte. Ohne diesen Zuschuss wären die Kosten für Haushalte deutlich höher ausgefallen, denn der Ausbau der Stromnetze für die Energiewende kostet jedes Jahr mehrere Milliarden Euro.

Entwicklung der Netzentgelte 2024–2026
Jahr Netzentgelt (brutto) Jahreskosten bei 4.000 kWh Veränderung zum Vorjahr
2024 13,1 Ct/kWh 524 €
2025 11,7 Ct/kWh 468 € -10,7 %
2026 10,4 Ct/kWh 416 € -11,1 %
Quelle: metrify

Warum sind Netzentgelte regional so unterschiedlich?

Die regionalen Unterschiede bei den Netzentgelten entstehen durch Struktur der deutschen Stromnetze: Die fast 900 Verteilnetzbetreiber kalkulieren ihre Kosten individuell, wodurch sich unterschiedlich hohe Kosten ergeben. Die größten Einflussfaktoren:

  1. Alter und Zustand des Netzes: Je älter das Stromnetz, desto mehr muss der Netzbetreiber in Wartung und Modernisierung stecken. In den neuen Bundesländern wurden nach der Wiedervereinigung viele Netze erneuert, was dort teils zu niedrigeren Instandhaltungskosten führt.
  2. Ausbau von erneuerbaren Energien: Dort wo viel Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird, müssen die Netze ausgebaut werden, um den zusätzlichen Strom aufzunehmen. Im Norden wird zum Beispiel viel Windkraft produziert, also wird dort mehr Geld für den Netzausbau benötigt, was zu höheren Netzentgelten führt.
  3. Netzstruktur und Bevölkerungsdichte: In dünn besiedelten Regionen verteilen sich die Netzkosten auf weniger Haushalte. Das gleiche Leitungsnetz muss von weniger Kunden finanziert werden, was die Kosten pro Kopf erhöht.

Wie kann § 14a EnWG die Netzentgelte reduzieren?

Der § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) bietet Hausbesitzern mit Wärmepumpe, Wallbox oder Stromspeicher einen finanziellen Anreiz. Wer dem Netzbetreiber erlaubt, diese Geräte bei Netzengpässen kurzzeitig zu drosseln, erhält im Gegenzug reduzierte Netzentgelte. Die Ersparnis beträgt je nach Netzbetreiber bis zu 190 € pro Jahr.

Die bundesweite Regelung ist zum 1. Januar 2024 in Kraft getreten. Sie bezieht sich auf sogenannte “steuerbare Verbraucher” mit einer Leistung von mehr als 4,2 kW. Das sind Geräte mit hohem Stromverbrauch, die das Stromnetz stark belasten können. Dazu gehören:

  • Wärmepumpen
  • Wallboxen für Elektrofahrzeuge
  • Stromspeicher
  • Klimaanlagen

All diese Geräte haben eine Gemeinsamkeit: Sie können ihren Strombezug zeitlich verschieben, ohne dass der Nutzer einen spürbaren Nachteil hat.

Wie funktioniert die Steuerung nach § 14a EnWG in der Praxis?

Die Steuerung läuft automatisch und ist im Alltag kaum spürbar. Der Netzbetreiber sendet bei drohender Überlastung ein Signal, das die Leistung der betroffenen Geräte begrenzt. Wichtig: Die Geräte werden nicht komplett abgeschaltet, sondern nur gedrosselt. 

Die Steuerung nach § 14a vermeidet dadurch einen Teil dieses Ausbaubedarfs im Stromnetz. Das Prinzip ist einfach: Flexibilität gegen günstigere Netzentgelte. Die Netzbetreiber geben die eingesparten Ausbaukosten als Rabatt an die teilnehmenden Haushalte weiter.

Die Grundlage für reduzierte Netzentgelte ist ein Smart Meter. Ohne ihn könnten die Verbraucher nicht flexibel gesteuert werden.

Was viele nicht wissen: Jeder Haushalt hat das Recht, den Messstellenbetreiber frei zu wählen und sich dadurch jederzeit ein Smart Meter einbauen zu lassen. 

Hier können Sie direkt ein Smart Meter anfragen und schon in wenigen Wochen von den Vorteilen profitieren:

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